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„WENN ICH DRAUSSEN BIN, DANN BIN ICH DRAUSSEN!“

„WENN ICH DRAUSSEN BIN, DANN BIN ICH DRAUSSEN!“

 

Freerideprofi Tom Leitner (35) aus Grabenstätt und der Traunsteiner Allroundabenteurer Otto Huber (78) kennen sich seit Toms Kindheit, als Otto mit Toms Eltern auf Radtour ging. 2017 kamen sie wieder zusammen: für einen Vortrag über seine Extremabfahrten im Kaukasus und im Iran engagierte Tom den Senior als Gastredner – Otto nämlich war in der Gegend schon auf Achse, lang bevor der Junior das Licht der Welt erblickte. Im Traunsteiner Restaurant ‚Tropical’, das Tom mit Freundin Bunschi betreibt, trafen sie sich auf ein Gespräch.

 

OTTO Diesen Vortrag damals habe ich unheimlich gerne gemacht, weil ich diesen Kontakt zu euch jungen Leuten auffrischen wollte. Was ihr da macht, das ist für mich ja eine ganz andere Welt.

TOM Mir sind eigentlich erstmal so die Parallelen zwischen unseren Trips aufgefallen. Wir sind ja mit einem umgebauten Bus losgezogen und dann Balkan, Türkei, Iran und wieder zurück. Und eben diese Geschichte, erstmal endlos über Land da hinzufahren, diese Ungewissheiten auf dem Weg zu einem ohnehin ungewissen Ziel, das hat mich schon an euch erinnert.

OTTO Karten gab es keine, das stimmt. Im Innenministerium in Kabul hatten sie aber von der US-Army Luftaufnahmen von der Region und mit ein bisschen Bakschisch hab ich die abgezeichnet. Mit dieser „Karte“ sind wir dann los - hat hingehauen.

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TOM Für meine Trips nach Alaska konnten wir ziemlich genau die einzelnen Hänge auf Google Maps einsehen! Auf der anderen Seite steigt natürlich der Erwartungsdruck, dass du dann auch lieferst. Früher warst du als Profi das ganze Jahr unterm Radar unterwegs, am Trainieren und am Suchen nach den besten Spots und dann hast du ein gutes Video rausgehauen und fertig. Also eher die Mythenbildung. Heute musst du als Profi ständig online präsent sein und dich selbst in den Schaukasten stellen mit praktisch allem, was du so machst. Darauf hab ich wenig Lust. Und auf gar keinen Fall will ich während der Tour irgendwas posten. Wenn ich draußen bin, dann bin ich draußen!

OTTO Irgendwo tut ihr Jungen mir ja leid. Einerseits bewundere ich, was ihr sportlich draufhabt, andererseits ist ja im Internet ALLES schon da und ist entdeckt und abgegrast, wir hatten Neuland überall. Wir hatten es eigentlich leichter.

TOM Leichter hattet ihr es nicht! Mir haben ja allein schon die Eltern den Weg in die Berge geebnet - Du dagegen bist in der Nachkriegszeit groß geworden.

OTTO Mein Vater ist ’47 aus der Kriegsgefangenschaft schwer krank nach Hause gekommen, der hatte ziemlich viel mitgemacht. Da hieß das Motto verständlicherweise: „Die Kirche von außen, das Wirtshaus von innen und die Berge von unten!“ Ich hab aber damals diese Bergbücher in die Finger bekommen, Anderl Heckmair und die Eigernordwand und diese Sachen, die habe ich verschlungen und ich wusste, dass ich mal den Eiger machen würde. Hab ich dann ja auch.

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„Rein vom Skifahren her sind diese exotischen Destinationen meistens nicht so zwingend. Hier bei uns ist es schon auch verdammt gut und vor allem extrem vielseitig.“

Tom Leitner

 

TOM Bei mir war es draußen, als es gefunkt hat, ich kann mich noch genau erinnern. Meine Eltern haben mit uns drei Geschwistern eine Skitour im Großglocknergebiet gemacht. Es war weder wahnsinnig weit oder anstrengend und wir hatten nur diese kurzen Bigfoot-Ski, also eigentlich nicht besonders zünftig. Es war schon Frühling, auf den aperen Flächen kamen schon die Krokusse raus und die Vögel haben gesungen... und es war ein so unglaubliches schönes Naturerlebnis, dass für mich so ganz tief im Inneren feststand: das werde ich immer aufsuchen, dieses Erlebnis im Schnee. 

OTTO Ich hab Skifahren und Skitouren dann erst ziemlich spät für mich entdeckt. Wir waren zwar schon immer mit Ski unterwegs gewesen, aber das war nur Mittel zum Zweck, um auch im Winter Berge besteigen zu können und einfach an die Einstiege zu kommen. Und in den fünfziger Jahren hatten wir auch ziemlich trockene Winter, da war hier nichts zu holen mit Pulverabfahrten. 

TOM Ab wann gab es überhaupt Tourenbindungen normal zu kaufen, ihr hattet doch noch so starre Systeme, oder?

OTTO Der Stiefel war damals mit Riemen auf den Ski fixiert und fertig, im Aufstieg genau wie bei der Abfahrt. Ich Depp dachte, das ist doch super für die Spitzkehren und bin damit die Reib’n gegangen, die große Reib’n, also fast fünfzig Kilometer! Der Absatz vom Stiefel ging nicht einen Millimeter vom Ski! In den Spitzkehren war es bei den langen Latten von zwei Meter fünfzehn wirklich hilfreich, aber sonst...! Ende der sechziger gab es dann irgendwann die ersten Tourenbindungen zu kaufen, die waren auf so eine Platte montiert, aber wenn es mal richtig kalt war, peng, da hat’s die zerrissen. Ende der achziger Jahre, als ich um die fünfzig war, da hat es bei mir erst so richtig gefunkt mit den Skitouren und dem Skifahren überhaupt. Da hab ich mir dann in der Schweiz, in Frankreich oder in den Dolomiten ab und zu mal einen Bergführer genommen – nicht, um raufzukommen, sondern um die besten Hänge zu erwischen und das hat sich auch gelohnt. Und der Aspekt Skitouren hat mir auch ein bisschen die Augen geöffnet, wie schön wir es hier überhaupt haben, im Chiemgau. Streng genommen, brauchst du eigentlich nicht wegfahren, wenn du hier wohnst.

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TOM Geht mir ähnlich. Ich war so ziemlich überall auf der Welt zum Freeriden, und die eine Gegend, die nicht toppen kannst und die wirklich absolut heraussticht aus allem anderen, das ist Alaska. Da ist der Schnee so besonders –

OTTO Ich hab die Bilder gesehen, wie ihr da im fast Senkrechten so im Schnee schwimmt oder mit dem Schnee runter, das ist unglaublich!

TOM Danke - aber wie gesagt, rein vom Skifahren her sind diese exotischen Destinationen meistens nicht so zwingend. Hier bei uns ist es schon auch verdammt gut und vor allem extrem vielseitig. Bisschen klein halt, diese langen Runs mit tausend, tausenfünfhundert Höhenmetern gibt’s natürlich nicht. Aber innerhalb der Alpen findest du eigentlich alles, du brauchst keine Fernreisen zu unternehmen.

OTTO Ich war ja viel unterwegs, allein vierzig Jahre beruflich in München und Hamburg. Und ich muss sagen, jetzt wo ich auf die achtzig zugehe, habe ich – und nicht zuletzt über das Skitourengehen – langsam wirklich gemerkt, was das für eine begnadete Landschaft ist. Und auf den Winter hier bei uns freu ich mich genau wie du.

 

„Der Aspekt Skitouren hat mir auch ein bisschen die Augen geöffnet, wie schön wir es hier überhaupt haben, im Chiemgau. Streng genommen, brauchst du eigentlich nicht wegfahren, wenn du hier wohnst.“

Otto Huber

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